SCIENCE + FICTION

Updated: Jan 4, 2019

Great Books Part III: Smarte Maschinen von Ulrich Eberl.

Foto: Julia Duwe

Halb Fiktion, halb Realität wechseln wir mit Ulrich Eberl rasant zwischen den Welten: Mit SMARTE MASCHINEN hat der renommierte deutsche Wissenschaftsjournalist und Biophysiker ein umfassend recherchiertes Aufklärungsbuch über Robotik und künstliche Intelligenz verfasst. Spannend und aufrüttelnd...

„Wie intelligent sind Sie, Samantha?“ Ein leichtes Zögern auf ihrer Seite. „Haben Sie diese Frage schon einmal einem Menschen gestellt?“ entgegnete sie… (Aus Smarte Maschinen, S. 60)

Es ist einer meiner Lieblingsdialoge, der sich in einem der ersten von 15 Kapiteln von SMARTE MASCHINEN abspielt. Das Buch kreist auf 408 Seiten um genau dieses Spannungsfeld zwischen Gegenwart und Zukunft, zwischen natürlicher und künstlicher Intelligenz. Gespickt mit Fakten aus Forschung und Wissenschaft inklusive umfangreichem Literatur- und Stichwort-Verzeichnis gibt das Buch immer wieder die Möglichkeit, sich in den Tatsachen zu erden. Erschienen ist SMARTE MASCHINEN als Sachbuch 2016 im Hanser Verlag.

Und doch stimmt Sachbuch hier nicht ganz. Denn zur Hälfte haben wir es mit Science-Fiction zu tun. Sowie die Protagonisten des Buches halb Mensch, halb Roboter sind, verschwimmen bei Eberl die Grenzen zwischen den Genres.


Und nicht nur zwischen Fiktion und Realität, auch die Grenzen zwischen dem Jahr 2016 und der Zukunft in 2050 scheinen sich aufzulösen: Die Protagonisten sind unser Autor Ulrich Eberl im Jahr 2016, dazu die schöne, intelligente Androidin Samantha aus dem Jahr 2050 und ein Forscher namens Daniel Achron, der nach über 30 Jahren aus dem künstlichen Koma erwacht – umgeben von smarten, gut aussehenden, allwissenden, lächelnden Maschinen – er selbst halb Mensch, halb....?

"In dem erstaunlichen walnussförmigen Organ, den 1,3 Kilogramm unserer Gehirnmasse, befinden sich etwa 86 Milliarden Nervenzellen. (...) Im Mittel besitzt jede Nervenzelle weit über 1000 Verbindungen, die sogenannten Synapsen, zu anderen Neuronen - insgesamt sind das also zwischen 100 Billionen und einer Billiarde Kontakte im gesamten Netzwerk. Addiert man ihre Länge, erhält man die verblüffende Zahl von fast sechs Millionen Kilometern..." (Ulrich Eberl in Smarte Maschinen, S. 92)

Wir befinden uns in einer Welt des Übergangs. Wer sind wir heute? Und morgen? Und wo geht unsere Reise hin? Abseits von Science Fiction und Philosophie liefert das Buch handfeste Beweise für eine unaufhaltsame Entwicklung:

„In den kommenden 25 Jahren wird sich die Leistung von Mikrochips noch einmal vertausendfachen, Neurochips lernen 10.000-mal schneller als das menschliche Gehirn, Cyborg-Technologien lassen Blinde sehen und Gelähmte gehen, und Roboter holen sich ihr Wissen und neue Fähigkeiten aus der Cloud“ (aus dem Klappentext)

Ausgehend von der DARPA Robotics Challenge der weltbesten Roboter im Juni 2015 recherchiert sich der Technik-Journalist Ulrich Eberl für uns einmal um die Welt. Von den USA bis nach Japan macht Eberl in den renommiertesten Forschungslabors Station und erklärt zugleich die Grundlagen für maschinelles Lernen, kognitive Computer und die besten Roboter der Welt.

„Dabei geht es um weit mehr als um den Trend zu Digitalisierung, Industrie 4.0, Robotik oder das Internet der Dinge - es geht um das Eindringen von künstlicher Intelligenz in unser Leben“ (Zitat: Ulrich Eberl und Constanze Holzwarth)

Ulrich Eberl, selbst Futurist und Meister des Schreibens gelingt es, die komplexen Sachverhalte so darzustellen, dass sie jedem verständlich sind – zumindest meinen wir beim Lesen zu verstehen, worum es geht, denn die Zukunft 2050 ist kaum an einem Lesetag erfassbar und dennoch liest man das Buch dank der Spannung in einem durch.


Ein Fazit:

Die Zukunftswesen - entworfen von Eberl als humanoide Roboter - haben in 2050 Zugriff auf das gesamte "Weltwissen". Und sie teilen neues Wissen. Befähigt durch in exponentielle Höhen steigende Rechenleistung und Speicherkapazität ist Wissen in ihrer Welt jederzeit an jedem Ort verfügbar. Der freie Zugriff auf das globale Wissen macht die Roboter in Eberls Zukunftsszenario so stark - ganz abseits von der Fragestellung, was ihnen an Emotion, Einzigartikeit und Persönlichkeit fehlen mag. Während sich die lernenden Systeme "ganz natürlich" aus dem weltweit verfügbaren Wissen bedienen, sind wir Menschen in Organisationen gerade erst dabei, uns besser zu vernetzen und unser Wissen und unsere Ideen zu teilen. Man stelle sich vor, welche Kreativität und Innovationskraft erst durch unsere Öffnung, Kollaboration und Vernetzung freigesetzt werden wird.... "Samantha, wie intelligent sind wir eigentlich?"


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Ulrich Eberl

Smarte Maschinen

Wie Künstliche Intelligenz unser Leben verändert; erschienen im Hanser Verlag, 2016


Weiterführende Informationen:

Webseite zum Buch

Leseprobe auf der Webseite des Verlages

Webseite des Autors


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